• 2011 •

Andrea Naderer

Persönlichkeitsstörung und Affektwahrnehmung bei Patientinnen mit chronischem Unterbauchschmerz

Ziele:
Wir untersuchen Unterschiede zwischen Patientinnen mit chronischem Unterbauchschmerz und einer gesunden Kontrollgruppe in Bezug auf Affektwahrnehmung und Abwehrmechanismen. Weiters wird untersucht, inwiefern sich die Gruppe der CPP-Patientinnen hinsichtlich Persönlichkeitsstruktur und Diagnosen von Persönlichkeitsstörungen oder psychiatrischen Erkrankungen von einer gesunden Kontrollgruppe unterscheidet. Mit diesen Untersuchungen versuchen wir CPP aus einer psychodynamischen Sichtweise zu betrachten, mit dem Fokus auf dem affektiven Erleben und der zugrundeliegenden Persönlichkeitsstruktur, um ein besseres Verständnis der sowohl körperlichen als auch psychisch erlebten Symptome zu erlangen.
Anhand der genaueren Untersuchung von affektivem Erleben und spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen sollen Untergruppen von CPP-Patientinnen identifiziert werden und mögliche Zusammenhänge von Affektwahrnehmung, Affektregulation und Persönlichkeitsstruktur mit der Entstehung und Chronifizierung von Unterbauchschmerzen herausgearbeitet werden.

Zsofia Kovacs

Klinische Neuropsychoanalyse mit Kindern- und Jugendlichen – 5 Fallstudien

Sonderpreis des Vorstandes:
In dieser Studie werden fünf case studies von vollständigen Psychoanalysen mit pädiatrisch-neurologischen Patienten vorgestellt. Die neuropsychoanalytische Arbeitsweise, die auch eine genaue Diagnostik der kognitiven Bereiche beinhalten muss, ist Teil der täglichen Arbeit an der Neurorehabilitationsstation des Gottfried von Preyer’schen Kinderspitals. Ziel der Analytikerin ist das Erfassen der komplexen Interaktion von Persönlichkeit, Neurose, Kognition, Emotion und Trauma und das Verstehen der Geschichte jedes einzelnen Patienten. Im Fokus des Rehabilitationsprozesses steht nicht nur der Körper mit seinen Symptomen, sondern die komplexe Psyche, die sich mit den körperlichen, kognitiven, psychischen Verlusten/Veränderungen auseinandersetzen muss. Als Fälle werden Patientinnen mit unterschiedlichen neurologischen Erkrankungsbildern herangezogen, um deren Auswirkung im Rahmen dieser Studie – erstmalig in der Geschichte der Psychoanalyse – auch experimentell untersuchen zu können.

• 2010 •

Nestor Kapusta

Persönlichkeitsstruktur bei PatientInnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) mit oder ohne selbstverletzendem Verhalten

Das Ziel der Studie ist die Erforschung von Persönlichkeitseigenschaften bei Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung (BPD) mit und ohne selbstverletzenden Verhaltensweisen, da selbstverletzendes Verhalten einen Großteil der therapeutischen Arbeit dieser Patientengruppe einnimmt. Maladaptive Dimensionen der Persönlichkeit können Aufschluss über dieses Verhalten geben und derart können weitere Implikationen für die psychoanalytisch-psychotherapeutische Arbeit entwickelt werden. Studien zeigen, dass selbstverletzendes Verhalten bei 50% der Borderline-Patienten während ihrer Lebenszeit auftreten und signifikante Zusammenhänge zwischen Selbstverletzungshäufigkeit und Schweregrad der Borderline Persönlichkeitsstörung. Weiters fand man bereits in einer Vorgänger-Studie, dass Borderline-PatientInnen mit selbstverletzendem Verhalten eine maladaptivere Persönlichkeitsstruktur als diejenigen aufweisen, die solches Verhalten nicht zeigen. Eine größere Sensitivität in Bezug auf Ablehnung, eine erhöhte Neigung zum Aufbau von Spannungs- und Angstgefühlen, eine feindlichere Einstellung gegenüber sich selbst und anderen sowie Impulsivität erhöhen das Risiko für selbstverletzendes Verhalten bei Borderline-Patienten. Um die Fragestellung zu prüfen soll eine Querschnittserhebung mit nachfolgender Katamnese nach einem Jahr mittels einer hypothesengeleiteten Fragebogenstudie an der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie des AKH Wien durchgeführt werden. Es wird dazu eine Stichprobe von 100 Personen der AmbulanzpatientInnen mit BPD gezogen. Primär werden die PatientInnen in Hinblick auf selbstverletzende Verhaltensweisen und Persönlichkeitsdimensionen befragt. Persönlichkeitsdimensionen werden im Strukturierten Interview zur Persönlichkeitsorganisation (STIPO) erfasst, das Aufschluß über die Persönlichkeitsstruktur gibt. So können Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur zwischen Borderline-Patienten mit und ohne selbstverletzenden Verhaltensweisen erhoben werden und klinische Implikationen für psychoanalytisch-psychotherapeutische Interventionen abgeleitet werden. Neben soziodemographischen Variablen, werden noch komorbide Störungen (SKID; BDI) sowie Affektregulation und -erleben untersucht (AREQ).

• 2009 •

Carolina Seybert

Categorical or Dimensional? Differentiation of the Treatment Techniques in short-term and long-term Psychodynamic Psychotherapy and Psychoanalysis.

In the field of psychoanalysis there is still a preference for categorical differentiation between psychoanalysis and psychodynamic psychotherapy technique, which has not been scientifically determined on the basis of the empirical analysis of the practicing technique. Today, the Psychotherapy Process Q-sort (PQS) method allows this differentiation to acquire a dimensional perspective; in other words, to obtain a quantifiable classification. The aim of this work is to observe the active process variables of psychotherapy treatment in 15 psychoanalyses, 15 long-term psychodynamic psychotherapies and 30 brief psychodynamic psychotherapies. For each of the treatments, four therapy sessions will be selected through time and analyzed with the “Psychotherapy Process Q-set (PQS)” (Jones, 2000). The rating of each session will be compared with the psychoanalytic prototype (Ablon & Jones, 1998) in order to empirically determine active process variables of the two treatments. This should lead to the identification of therapeutic techniques, which these therapeutic orientations may or may not share. Similarities and differences between psychoanalysis and psychodynamic psychotherapy technique will be found and may lead to valuable results. In addition, this study will allow us to access whether there is congruence between the therapeutic process (in psychoanalysis and psychodynamic treatment) and that of the psychoanalytic prototype. This dissertation will gather an exceptionally large database of material for this field, leading to heightened scientific discussion surrounding the delimitation of psychoanalysis and psychodynamic psychotherapy.

• 2008 •

Diana Braakmann, Omar Gelo

Are there different ways of achieving psychotherapeutic outcome?

Das Projektziel ist, eine umfassende Untersuchung in der psychotherapeutischen Ambulanz der Sigmund Freud PrivatUniversität durchzuführen, die einen Vergleich psychotherapeutischer Schulen, in diesem Fall der Psychoanalyse, der systemischen Therapie und der Klienten-zentrierten Therapie, hinsichtlich ihrer therapeutischen Prozesse vornimmt. Diese Prozesse werden mit Hilfe regressionsanalytischer und pfadanalytischer Verfahren in Beziehung gesetzt zum Therapieerfolg, d.h. es erfolgt ein Vergleich der therapeutischen Schulen hinsichtlich des Weges, auf dem Therapieerfolg erreicht wird. Die Besonderheit der Studie besteht darin, dass Prozess- und Outcome-Parameter in Beziehung gesetzt werden und zudem zur Erhebung des Therapieerfolgs eine Methodenkombination aus qualitativen und quantitativen Ansätzen zum Einsatz kommt.

Sexualberatungsstelle Salzburg

Internetkriminalität – Kinderpornographie

Seit 2006 steigt die Zahl der Überweisungen von Klienten an die Sexualberatungsstelle, die nach § 207a StGB Abs. 3 (Verschaffen und Besitzen pornographischer Darstellungen Minderjähriger) straffällig wurden, auffallend an. Diese Klientengruppe unterscheidet sich deutlich von anderen Klientengruppen: Ihre Motivation zur Psychotherapie muss erst – wenn es überhaupt dazu kommt – „erarbeitet“ werden. Die Verantwortung für die Tat wird häufig geleugnet. Für die PsychotherapeutInnen wiederum stellen sowohl die fallsspezifischen Problematiken als auch die Behandlungstechniken besondere Herausforderungen dar. Das Projekt zielt auf die Erarbeitung von Wissen und Standards auf diagnostischer Ebene und auf der Ebene der Vernetzung mit Institutionen (Gericht, AnwältInnen) ab. Es ist interdisziplinär angelegt: Rund um die Klärung von Forschungsfragen, die sich auf diagnostischer Ebene stellen, werden juristische und rechtssoziologische Kontexte zu dieser Problemgruppe erhoben und institutionelle Zusammenhänge analysiert und bearbeitet. In methodischer Hinsicht werden psychoanalytische Forschung, Rechtswissenschaften und Sozialforschung verknüpft. Das Projekt selbst verläuft handlungsorientiert.

• 2007 •

Lenka Ellsäßer

Mentalisierung im psychotherapeutischen Prozess

The study aims to examine the effect of psychoanalytic treatment on the capacity to mentalise in patients with chronic depression. Firstly, the general level of RF is evaluated in chronically depressed patients. Secondly, intrapsychic change measured as change in RF is examined in the process of psychoanalytic therapy. This allows the examination of the connection between: the baseline RF level, the changes in mentalisation in the psychoanalytic process and the therapeutic outcome. Since mentalisation always entails two dimensions, a self-reflective and an interpersonal one, both sub-dimensions are assessed separately alongside the the general RF level. 

• 2006 •

Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

Explorative Pilotstudie zum „Messie-Phänomen"

The term „Messies“ stems from the word „mess“. It describes persons, who limit their living spaces drastically by stuffing their apartments with things they actually do not need. This behaviour complicates the organization of their daily lives. From what we know about present developments in the USA and Germany, there is a large number of people involved in this phenomenon. In Germany, there is an estimated number of 300.000 so-called “rat-packs” or “Hoarders”, in Austria an estimated 30.000 (ratio 10:1). Scientific data about this topic is rare and limited. There is a lack of clinical or scientific definitions as well as research about the underlying psychodynamic processes and structures. With this project, we are attempting to investigate this issue in order to understand it better, collect more scientifically relevant data and to explore viable and efficient techniques for psychotherapeutic treatment.

BOGDANOV Sergey

Zur Frage der Veränderung innerer Selbst-Objekt- Repräsentanzen in der ambulanten psychoanalytischen Gruppentherapie

Meine wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Veränderung psychischer Strukturen innerhalb psychotherapeutischer Gruppenprozesse. Im Speziellen möchte ich untersuchen, wie sich psychische Strukturen einzelner Patientinnen und Patienten im Laufe einer psychoanalytischen Gruppentherapie verändern.

Die Studie hat zum Ziel, Veränderungsprozesse, die bislang oft intuitiv oder subjektiv von Psychotherapeuten beschrieben wurden, präzise zu definieren und in nachprüfbaren Messwerten darzulegen. Zu diesem Zweck sollen klinisch relevante Annahmen, die als Arbeitshypothesen formuliert werden, mit qualitativen und quantitativen Methoden operationalisierbar gemacht werden.

• 2005 •

Eva Sabel

Wirkung und Wirksamkeit von Therapieprozessen einer psychoanalytischen Gruppenpsychotherapie in einer Tagesklinik unter besonderer Berücksichtungen von Mentalisierungsphänomenen

Wir möchten vor dem Hintergrund allgemeiner Theorien zur Gruppenentwicklung, gruppenpsychotherapeutische Mikroprozesse untersuchen und Aussagen zur Wirksamkeit psychoanalytischer Gruppentherapie machen. Dazu werden Gruppenprozesse anhand des Zyklusmodell von Mergenthaler (1997) analysiert. Das Zyklusmodell beschreibt Phasen innerhalb eines psychotherapeutischen Prozesses, der – bei prototypischen Verlauf – zu psychotherapeutisch relevanten Veränderungsmomenten führt. In unserer Untersuchung wird davon ausgegangen, dass Momente des „connecting“ in Verbindung mit dem stehen, was Fonagy et al (2004) als Prozesse einer mentalisierten Affektivität und als zentral für psychische Heilungsprozesse bezeichnen. Die derart selektierten Phasen und Momente relevanter psychotherapeutischer Prozesse sollen durch Gruppenanalytiker supervidiert werden, um Aufschluss über die darin stattfindende Psychodynamik zu bekommen. Zusätzlich soll dem wichtigen Punkt der Wirksamkeit für den einzelnen Patienten durch eine qualitative und quantitative Evaluation Rechnung getragen werden

Katharina Leithner-Dziubas

Die Mentalisierungsfähigkeit bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen

Das Hauptziel des Projektes ist die Untersuchung der Mentalisierungsfähigkeit (RF) bei gynäkologischen Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen, weiters die Identifikation von Subtypen innerhalb der Samples basierend auf der RF-Klassifikation, die Untersuchung der Prävalenz von Persönlicheitsstörungen bei Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen und deren Korrelation mit der Mentalisierungsfähigkeit (RF), die Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen einer Komorbidität mit depressiver Symptomatik, Missbrauchserfahrungen in der Kindheit, belastenden Lebensereignissen, soziodemographischen Merkmalen und dem Vorliegen von chronischen Unterbauchschmerzen und der Mentalisierungsfähigkeit (RF).

• 2004 •

Dagmar Biener

Psychoanalytisch orientierte Kunsttherapie im Rahmen der Knochenmarktransplantation

Im Rahmen des vorgelegten Projektes wird psychoanalytisch orientierte Kunsttherapie in der Einheit für Knochenmarktransplantation (KMT) der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Wien eingesetzt. Die beiden Hauptziele des Projektes sind die psychischen Themen und Prozesse zu erforschen, die PatientInnen erleben, die sich einer KMT unterziehen und die Wirkung von psychoanalytisch orientierter Kunsttherapie in diesem Setting zu untersuchen.
Die Arbeit konzentriert sich auf Fallstudien, die Aspekte des praktischen Nutzens dieser Therapieform in der psychoonkologischen Arbeit mit KMT-PatientInnen illustrieren.

Fritz Lackinger

Übertragungsfokussierte Psychotherapie mit forensischen Patienten

Forensic psychotherapy has a long psychodynamic tradition reaching back to Aichorn, Glover, Eissler or Winnicott. In the 1970ies and 1980ies it was further developed by psychoanalysts such as Goudsmit, Schorsch and Berner. This tradition has become somewhat marginalised since the 1990s as cognitive-behavioral forms of psychotherapy expanded strongly in the forensic area.
At the same time psychodynamic psychotherapy made big advances in the field of borderline-therapy. Otto Kernberg developed the concept of borderline personlaity organization (BPO) and together with a few coworkers worked out a borderline-specific treatment method. 1999 this method was published in a manualised form as transference focused psychotherapy (TFP). Accumulating empirical evidence shows the effectiveness of TFP with borderline patients. Yet TFP was not designed for antisocial patients although delinquents have shown to frequently display the structural characteristics of BPO.
The submitted paper tries to explain in what areas TFP needs expansion or development in order to become applicable to forensic patients. First of all, there is the area of diagostics. As delinquents do not form a homogenic group they need to be precisely diagnosed in terms of psychodynamic structural criteria. The paper examines three major forms of delinquency, i.e. theft, violence and sexual crimes. It explores the psychodynamics of these varieties of delinquency and derives from them a series of degrees of severity. These degrees have therapeutic and prognostic implications as is usual for TFP-diagnostics as well. It is proposed that a forensic STIPO should be elaborated, STIPO being a structered interview for personality organization.
Furthermore the paper tries to clarify the implications of the forensic situation for the therapeutic setting, the general framework and the negotiated therapy contract. It shows how one has to handle such delicate questions as voluntarity of therapy, the use of court files by the therapist, discretion and secrecy keeping in situation of relapse and so on. It explains how a therapist should deal with the question of the offence in the context of therapy contract talks in cases when the offence is either denied or refused to be spoken about within the therapy. At the end the paper delineates further questions which need to be elaborted in order to develop a forensic TFP.